Uns fremd und doch so ähnlich

Es halten sich hartnäckig Vorurteile über Tiere, ihre Fähigkeiten wären gering oder sie seien quasi für die Nutzung durch Menschen gemacht. Aber jede Art ist passend für ihr ureigenes Leben begabt und kein Tier muss gemolken oder geschoren werden, wenn es nicht krankhaft überzüchtet ist. Weder Können noch Wissen hebt den Menschen über andere Tiere. Allein die menschliche Arroganz tut das. Lerne Tiere neu kennen.

Ausgewählte Tiere im A-Z

Ente

Menschen halten Enten für kaum flugfähig oder bemerkenswert. Dabei fliegen sie bis mind. 6.400m hoch, erreichen ein Tempo von über 150km/h und legen bis zu 700km am Tag zurück (einmal durch Deutschland). Im Wasser schützt sie ein drittes unsichtbares Augenlid und sie tauchen bis etwa 60m tief. Auch sind sie pragmatische und soziale Tiere: Als Nistplätze dienen Baumstümpfe ebenso wie verlassene Greifvogelnester. Schlafende Gruppen von Enten haben Nachtwächter, die ihre Augen offen halten. Der Gewalt des Menschen jedoch sind sie schutzlos ausgeliefert. Nach Hühnern, Schweinen und Puten sind Enten die am zahlreichsten in Deutschland für Fleisch geschlachteten Landtiere. Hunderttausende
weitere werden bei Jagden erschossen.

Gans

Viel zu oft muss die „dumme Gans“ als Beleidigung herhalten. Dabei nutzen Gänse beim Flug über lange Strecken geschickt Formation, Wind und Thermik und können während des Fliegens schlafen. Gänse erinnern sich an Orte und Gesichter. Einander erkennen sie am Ruf, aber auch Kopf-, Hals- und Flügelbewegungen dienen der Kommunikation. Ihre Balzrituale sind Tänze mit synchronen Bewegungen. Paare bleiben oft lebenslang zusammen. Für ihr Nest reißen sie sich trotz Schmerzen selbst Daunen aus und verteidigen es mit ihrem Leben. Die auf Gewicht gezüchtete Hausgans, gehalten für Gänsefleisch, Daunen und Stopfleber, erlebt nicht nur kein solches soziales Leben, selbst die Fähigkeit zum Fliegen ist ihr genommen.

Garnele

Millionen mehr Menschen werden Garnelen verspeist haben als sich Menschen damit befasst haben, wer diese Tiere sind. Dabei sind Garnelen bemerkenswert: Sie können rückwärts schwimmen und ihre Farbe ändern. Einige leben in sozialen Verbänden, befreien Fische von Parasiten oder beschützen ihren Nachwuchs, indem sie die Eier bis zum Schlüpfen bei sich tragen. Nicht zuletzt spielen sie eine wichtige Rolle in Ökosystemen, reinigen Gewässer und können schädliche Algenblüten verhindern. Ihre Bewegung am Grund von Gewässern erhöht den Sauerstoffgehalt und schafft besseren Lebensraum für andere Tiere. An diesem Mehrwert für andere Spezies könnten Menschen sich ein Beispiel nehmen, statt sie zu fangen und zu züchten.

Heuschrecke

Nahrungsmittel? Inbegriff einer Plage, die Nahrungsknappheit erzeugt? In Wahrheit sind Heuschrecken oft Einzelgänger mit unterscheidbaren Persönlichkeiten, und bilden selbst nur bei Nahrungsknappheit Schwärme, um Kannibalismus zu vermeiden. Zu ihren Überlebenskünsten gehört die Fähigkeit zur Tarnung. Manche passen ihre Farbe der Umgebung an, andere können die Erscheinung gefährlicher Feinde immitieren, wieder andere übernehmen den Geruch von Ameisen, um in deren Kolonien zu leben. So haben Heuschrecken Lebensräume wie Berge, Höhlen und Wüsten erschlossen. Zum „Singen“ reiben sie ihre Flügel 100x in der Sekunde. Manche singen für Menschen unhörbar im Ultraschallbereich. Sie selbst hören mit ihren bemerkenswerten Beinen.

Huhn

Dinosaurier faszinieren Menschen. Ihre nächsten lebenden Verwandten wecken Interesse nur als Ei oder Nugget. Menschen können zwei Hühner nicht unterscheiden. Hühner hingegen können 100 Artgenossen unterscheiden und Menschen erkennen. Sie erkennen sich selbst im Spiegel und zeigen Fähigkeiten wie Belohnungsaufschub, die Menschen erst mit 4 Jahren entwickeln. Sie kommunizieren mit mehr als zwei Dutzend Lauten und werdende Mütter gurren bereits zu ihren Kindern in den Eiern. In der Natur halten sie meist eher Abstand voneinander, außer um sich bei der Gefiederpflege zu helfen. Sie schließen Freundschaften und zeigen Zeichen von Trauer um tote Freunde. In der Eier- und Fleischindustrie sind gute Sozialkontakte jedoch unmöglich.

Lachs

Im Lachs sehen viele ihren bevorzugten „Speisefisch“, statt das aufopfernde Tier, das er ist. Das Leben eines Lachses beginnt im Süßwasser, ehe er seine Reise in die Ozeane antritt und seinen Stoffwechsel auf das Leben im Salzwasser umstellt. Später wird er hunderte bis tausende Kilometer zurück reisen, wobei sein Geruchssinn ihm bei der Orientierung hilft. Lachse sind sozial und wandern oft in Gruppen. Mit starken Schwanzflossen schwimmen sie gegen den Strom und überwinden Hindernisse von bis zu drei Metern Höhe im Sprung. Am Ende der Wanderung steht die Fortpflanzung, aber oft auch der Tod der erschöpften Tiere. Dennoch kein Vergleich zum menschengemachten Tod, der den Lachs in Deutschland zeitweise schon ausrottete.

Rind

Blöde Kuh? Erst 2026, ca. 9.000 Jahre nach der Domestikation des Auerochsens und 400 Jahre nach dessen Aussterben, macht die Erkenntnis Schlagzeilen, dass Rinder so intelligent sind, Werkzeuge zu verwenden. Sie kratzen sich mit Besen selbst den Rücken und wechseln die Besenseite für empfindliche Stellen. Mit der Zunge können sie Riegel selbstständig öffnen. Vereinzelt gelang verzweifelten Rindern die Flucht vor der Schlachtung, mit Sprüngen über Zäune oder schwimmend in einen Fluss. Eine Kuh, die wiederholt erlebte, wie ihr die Kinder in der Milchindustrie weggenommen wurden, soll bei einer Zwillingsgeburt ein Kind vor den Menschen versteckt haben. Andere geben auf: schon das Ausbrennen der Hornansätze kann zu Pessimismus führen.

Schwein

Die Assoziation der dummen Sau ist genauso falsch wie die des dreckigen Ferkels. Schweine sind Hunden und dreijährigen Menschen kognitiv überlegen. Sie verfügen über ein gutes Gedächtnis, können Symbole wiedererkennen und Werkzeuge verwenden – mit Training sogar Joysticks für Videospiele. Sie träumen und erkennen sich im Spiegel. Ihre Gefühle kommunizieren sie mit differenzierten Lauten und kuscheln mit ihren Artgenossen. Ihre Nase ist erheblich sensibler als die menschliche, sodass sie Nahrung unter der Erde finden können. Entsprechend trennen sie auch besonders sauber Liege- und Toilettenplätze – ein Verhalten, das nur in der extremen sogenannten Nutztierhaltung wie so vieles andere unmöglich ist.

Tintenfisch

Sie gelten als Aliens auf Erden, können Tinte zur Verwirrung auszustoßen, sich dem Untergrund anpassen, bedrohlichere Tiere nachahmen oder sich einem überlegenen Rivalen gegenüber als Weibchen ausgeben. Dies alles geschieht gezielt und blitzschnell. Sie können Schraubverschlüsse öffnen und im Ozean Städte aus Kokosnussschalen bauen. Vereinzelt gelang Tintenfischen die Flucht aus Aquarien durch Rohrsysteme bis ins Meer. Doch sie leben nicht lang, bringen ihrem Nachwuchs nichts bei. Stattdessen scheinen sie ihr eigenes Erbgut verändern zu können, evtl. um Wissen weiterzugeben. Tintenfische faszinieren. Gleichzeitig werden unzählige gefangen und Unternehmen wollen nach Jahrzehnten der Forschung ihre industrielle Zucht starten.

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