Was es jetzt braucht
Einige Menschen scheinen zu glauben, Tieren Rechte zuzugestehen würde wahlweise dazu führen, dass die sogenannten Nutztiere uns überrennen würden oder dass alle aussterben. Es wäre natürlich realitätsfremd anzunehmen, dass weltweit von heute auf morgen alle Schlachthäuser geschlossen und Tiere verschont würden. Der Wandel zu einer friedlicheren Gesellschaft sollte jedoch schnellstmöglich starten.
Unsere Forderungen
Vorweg...
Es gibt unseres Erachtens keine Alternative zu einem grundlegenden Wandel der Gesellschaft hin zu einem grundlegend respektvollen Umgang mit Tieren. Nur innerhalb des bestehenden Systems der Tiernutzung Veränderungen vornehmen zu wollen, wird Tieren nicht gerecht. Tatsächlich verschiebt es oft nur das Leid. Ein paar Beispiele:
- Sogenannte alternative Haltungsformen in der Eierindustrie (im Sinne von Alternativen zur Käfighaltung) führen zu neuen Problemen wie Kannibalismus.
- Die Forderung nach Kleinbetrieben statt großer industrieller Anlagen schafft ebenfalls das Tierleid nicht ab. Für Kleinbetriebe gibt es oft Ausnahmeregelungen, etwa zur Anbindehaltung von Rindern.
- Selbst eine Umstellung der kompletten Tierhaltung auf Bio ist keine Lösung: Die Grundbedingungen sind hier für Tiere dieselben. Solange es wirtschaftlich sein soll, wird echtes Tierwohl automatisch hinten angestellt. Außerdem ist der Ansatz (den Massen an genutzten) Tieren auch nur etwas mehr Platz und Lebenszeit zuzugestehen aus ökologischer Sicht problematisch.
- Auch Schutzzonen und Einzelverbote greifen zu kurz. Allein, dass jeder zweite gefangene Fisch aus illegaler Fischerei stammt, zeigt wie wenig kontrollierbar solche Maßnahmen sind, wenn das Endprodukt, das tote Tier, weiterhin nicht hinterfragt wird.
Veränderungsprozesse ermöglichen
Bevor echte Veränderungen möglich sind, brauchen wir eine Rückkehr zu sicheren demokratischen Strukturen und eine bessere Aufklärung statt Verschleierung in Sachen Tierleid. Es braucht insbesondere:
- Wirksame Maßnahmen gegen Lobbypolitik in den Parlamenten. Parteispenden durch Konzerne und Lobbyverbände müssen unterbunden werden. Für eine zukunftsgerichtete friedlichere Politik sollten Personen, die Gewalt wie Jagd als Hobby praktizieren, nicht für politische Ämter zugelassen werden. Derzeit ist die Lage umgekehrt: Menschen, die Jagd als Hobby angeben, sind im Bundestag etwa zehnmal häufiger vertreten als in der Bevölkerung (hauptsächlich in CDU, FDP, AfD). Und dabei ist die Angabe von Hobbies freiwillig.
- Tierethik muss zum verpflichtenden Bildungsinhalt in Schulen werden. Dabei sind historische Entwicklungen des Tierrechtsgedanken in der Philosophie ebenso zu beleuchten wie aktuelle Positionen. So wie Kinderbücher seit Jahren hinsichtlich Rassismen darauf untersucht werden, wie zeitgemäß sie noch sind, sind ebenfalls Prüfungen vorzunehmen, inwieweit Kinderbücher ein falsches Bild von Tieren vermitteln, das ihre gewaltvolle Ausbeutung normalisiert und damit Gewalt relativiert statt für das Wesen und die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Tieren zu sensibilisieren.
- Tierrechte auf mindestens Leben, Unversehrtheit und Lebensraum sind gesetzlich festzuschreiben. Aus diesen folgt zudem ein Recht auf politische Interessenvertretung, dessen Umsetzung von neu zu bildenden Ethikkommissionen zu konzipieren wäre. Ideen zu politischen Rechten finden sich etwa bei Donaldson und Kymlicka (Zoopolis, 2013). Die Implikationen der festgeschriebenen Rechte wären laufend zu prüfen. Im Folgenden geben wir einen Abriss, was unseres Erachtens daraus mindestens folgen müsste.
Ein neuer Umgang mit Tieren
Wir fordern:
- Ein umfassendes Verbot der Jagd. Dass Jagdverbote möglich und erfolgreich sind zeigen z.B. Costa Rica oder das Schweitzer Kanton Genf, wo ein Verbot seit 1974 greift und zu Verbesserungen für Menschen und nichtmenschliche Tiere geführt hat. Wie die Jagd ist auch das Angeln zu verbieten, was nichts anderes als die Jagd von Fischen ist.
- Das Ende von Tierversuchen. Das Europaparlament stimmte 2021 dafür, einen Plan zum Ausstieg aus Tierversuchen zu entwickeln. Deutschland sollte hier entschlossen vorangehen. Dabei braucht es echten Ausstiegswillen. Ein bloßes Refine-Reduce-Replace-Prinzip hat in der Vergangenheit nicht maßgeblich dazu beigetragen, Tierversuche zu überwinden.
- Einen Ausstiegsplan aus dem System Schlachthof, also der sogenannten Nutztierhaltung. In den Niederlanden haben bereits einzelne Städte die Werbung für Fleisch verboten oder die schrittweise Erhöhung des Anteils pflanzlichen gegenüber tierbasiertem Protein als Ziel festgelegt. Ähnliche Schritte könnten Teil eines bundesweiten Ausstiegsplans sein. Dazu wäre es auch notwendig, die massiven staatlichen Subventionen für Tierhaltung zu streichen und stattdessen in den Anbau bezahlbarer bioveganer Lebensmittel für alle zu investieren. Tierhaltende Betriebe sollten dann unterstützt werden, wenn sie auf zukunftsweisenden Pflanzenbau umstellen oder zu Auffangstationen (Lebenshöfen) für nicht mehr genutzte Tiere umgestaltet werden.
- Die Renaturierung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Etwa die Hälfte Deutschlands ist heute landwirtschaftliche Nutzfläche. Diese Flächen der Natur zurückzugeben, würde für Tiere, Artenvielfalt und Klima echte Chancen eröffnen.
- Den Ausstieg aus der Fischerei und Verbot des Handels mit Fischereierzeugnissen. Die Fischerei-Gesetzgebung hinkt sich selbst hinterher. Erst 2025 trat ein internationales Abkommen in Kraft, das die Subventionierung illegalen(!) Fischfangs verbietet. Es geht um Milliardensummen. Trotz Ambitionen, immer größere Schutzgebiete zu schaffen, wirken alle Gesetze bislang praktisch ausschließlich auf den Schutz von Beständen hin, um diese langfristig fischen zu können. Dies darf im Sinne von Tierrechten aber nicht der Fall sein. Es braucht ambitionierte Meeresschutzpläne, die über die Abschaffung der Fischerei noch hinausgehen und Wassertiere vor Vermüllung, Geisternetzen Verseuchung, Todeszonen, Lärmverschmutzung und anderen Bedrohungen um ihrer selbst willen schützen.
- Verbot von Pelzfarmen, Handelsverbot für Pelz, Leder, Daunen und andere Erzeugnisse von Tieren. Die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2025 festgehalten, dass die Haltung von Tieren für Pelz nicht mit dem EU-Tierschutzrecht vereinbar ist. Jetzt müssen gesetzliche Konsequenzen folgen! In Deutschland gibt es keine Pelzfarmen mehr, nachdem die geforderten Standards erhöht wurden, nicht weil sie verboten wären. In anderen EU-Ländern sind sog. Pelzfarmen noch immer sehr verbreitet. Umfassende Handelsverbote sind für echte Veränderung unerlässlich.
- Eine Verkehrswende einschließlich Rückbau des Straßensystems. Statt endloser Straßenneu- und -ausbauten ist zum Schutz von Tier- und Menschenleben das Ziel anzustreben, die Menge an Straßen im Land zu reduzieren und langfristig den Individualverkehr zum Auslaufmodell zu machen statt dem Standard, den er heute darstellt. Übergangsweise erscheinen Wildtierbrücken, wie etwa in den Niederlanden in größerer Zahl vorhanden, hilfreich, ebenso deutliche Tempolimits. Leider zeigt sich hier, dass der politische Wille nicht nur beim Schutz von Tierleben fehlt, da sogar 9 von 10 menschlichen Todesopfern im Verkehr durch Tempolimit 30 verhindert werden könnten.
- Ein Verbot der Heimtierzucht und die Einführung von Heimtierführerscheinen. Die Bundestierärztekammer fordert einen Heimtierführerschein für alle Tiere. Ein solcher ist auch unseres Erachtens nötig, während gleichzeitig die Zucht der Tiere enden muss. Zahllose Tiere leben in überfüllten Tierheimen, die auch nach einem Zuchtstopp noch für viele Jahre zum gegenseitigen Vorteil für Menschen und Heimtiere mit uns zusammenleben könnten, sofern die Kompetenz der tierhaltenden Personen gesichert wäre. Dies könnte auch den Auslandstierschutz stärken und Perspektiven für streunende Tiere schaffen, die bis heute oft in Massen getötet werden, sobald es zu prestigeträchtigen Veranstaltungen (WM, ESC, etc.) kommt. Diese Tötungen sind scharf zu sanktionieren.
- Ein Verbot tödlicher Fallen und lebensbedrohlicher Abwehrsysteme für Kulturfolger. Stattdessen erscheinen Aufklärungskampagnen und Vorschriften zweckmäßig, welche darauf abzielen, dass Tiere gar nicht erst angelockt werden, wo sie nicht erwünscht sind. Tiere dürfen nicht mit ihrem Tod dafür bezahlen, dass etwa öffentliche Einrichtungen bei Hygiene und Mülllagerung versagen. Wo mit Vergrämung gearbeitet werden muss, müssen ungefährliche Mittel (z.B. Duftstoffe, Schallsysteme) alternativlos sein. Ähnliche Ziele sind für Insekten anzusetzen.
